Das Archiv

Ein Teil des Werkarchivs des Schriftstellers Walter Kempowski wird seit 1993 in den Klosterhäusern des "Klosters zum Heiligen Kreuz" aufbewahrt. Zwischen 1993 und 2001 konnten die Besucher in zwei Räumen des Hauses 1 die Archivalien besichtigen. Seit dem 13. November 2002 ist das Archiv in Haus 3 untergebracht. Dadurch eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten das Leben und Werk Walter Kempowski zu präsentieren.

Das Erdgeschoss
Raum 1
In diesem Raum befinden sich die von Walter Kempowski rekonstruierte Bibliothek der Eltern, Karl Georg und Margarethe Kempowski sowie die Bibliothek der Kinder der Familie. Nach der Verhaftung der Mutter im Herbst 1948 kam es zur öffentlichen Versteigerung des Hausstandes der Kempowskis. Auch die Bücher der Familie wurden so in alle Winde verstreut. Walter Kempowski hat die Bibliotheken wieder neu zusammengetragen. Er konnte sich so einen nachhaltigen Eindruck über die Lektüre seiner Eltern und Geschwister verschaffen und diese Informationen in seinen Büchern verarbeiten ("Schöne Aussicht", "Tadellöser & Wolff"). In einer gesonderten Vitrine befinden sich einige wenige Originalexemplare, die im Laufe der Zeit zurückgegeben worden sind. Des weiteren finden Sie in den Regalen und Vitrinen Gegenstände, die unmittelbar mit der Familiengeschichte verknüpft werden können: z.B. das Koffergrammophon von Robert (RSBB); die Occiarbeiten der Mutter, die Halmasteine…
An der rechten Wand hängen die Risse, nach denen Modelle der beiden Schiffe der Maklerei "Otto Wiggers" angefertigt wurden. Inhaber der Maklerei war von 1905 bis 1939 der Großvater des Schriftstellers, Robert William Kempowski, und von 1939 der Vater, Karl Georg Kempowski ("Aus großer Zeit"). Neben der Tür steht eine Büste Walter Kempowskis, die der Bildhauer Manfred Sihle-Wissel aus Brammer bei Rendsburg anfertigte. Der Unternehmerverband Rostock spendete sie dem Archiv.

Durchgang zur Treppe
In diesem Bereich sind Exponate zu sehen, die die Haftzeit Walter Kempowskis, seiner Mutter Margarethe und seines Bruders Robert dokumentieren ("Im Block", "Ein Kapitel für sich"). Neben der Häftlingskleidung und der originalen Zellentür aus dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis Rostock, sei besonders auf das Gefängnismodell verwiesen. Von Kempowski selbst angefertigt, diente es ihm als Erinnerungsstütze. Der Brotkanten war die letzte Ration Kempowskis, bevor er aus Bautzen entlassen wurde. Er war als "Reiseverpflegung" gedacht.
An der gegenüberliegenden Wand hängt eine Skizze, mit deren Hilfe Walter Kempowski 1974 Überlegungen zu seiner Werkstruktur darstellte. Dabei muss der Aufenthalt im Gefängnis als auslösendes Moment für die schriftstellerische Arbeit bewertet werden.

Erstes Geschoss
Vorraum

Das Modell zeigt einen Klassenraum, wie er bis weit in die 50er Jahre in Ost- und Westdeutschland üblich war. Das Modell und der Griffelkasten sollen die Zeit illustrieren, in der Walter Kempowski als Landlehrer in Breddorf und Nartum (Niedersachsen) gearbeitet hat ("Herzlich Willkommen", "Heile Welt").

Raum 1
An der linken Wand steht der originale Schreibtisch des Schriftstellers. An diesem Tisch wurden Romane wie "Tadellöser und Wolff" entworfen und vollendet. Auf dem Schreibtisch steht eine Vitrine, in der sich weitere dreidimensionale Ausstellungsstücke befinden. Sie sollen dem Besucher den Zugang zum unmittelbaren Werkbezug erleichtern. Darüber hängen die Werkpläne der Romane "Tadellöser & Wolf" und "Uns geht´s ja noch gold" Die Belegexemplare der Bücher im Schrank verweisen auf Kempowskis Hauptwerke, "Echolot" sowie die "Deutsche Chronik", um die sich seine weiteren Projekte gruppieren. In den Schubladen werden abwechselnd verschiedene Archivalien des Schriftstellers präsentiert.

Raum 2
Im Audioraum können unsere Besucher vom Schriftsteller Walter Kempowski gelesene Werke hören. Weiterhin steht hier eine Büste Walter Kempowskis, die der Berliner Künstler Bertrand Freiesleben kurz vor dem Tod des Schriftstellers († 5. Oktober 2007) anfertigte.

Raum 3
In diesem Raum ist ein kleiner Teil der umfangreichen Mecklenburg-Bibliothek Walter Kempowskis sowie das Rostocker Autorenarchivs aufbewahrt. Diese Bücher bildeten die Grundlage für den regionalen und lokalen Hintergrund seiner Romane. Den größten Teil umfassen Bücher von Autoren die selbst oder durch ihr Werk mit Rostock verbunden waren. Diese Sammlung verweist auf eine mögliche Charakterisierung Rostock als "literarische Stadt"?

Obergeschoss
Im obersten Geschoss ist der Seminarraum des Archivs eingerichtet. Hier gibt es die Möglichkeit, Besuchergruppen in kleinerem Umfang zu empfangen. Interessierte Besucher können nach Absprache Einsicht in die Archivalien nehmen. Doch auch auf dieser Etage sind Archivalien Walter Kempowskis untergebracht. So findet man auf der Seite der Treppe ein Regal mit Widmungsexemplaren, die ihm zum Teil persönlich zugeeignet sind, zum Teil aber auch von ihm in Antiquariaten erworben wurden. Ebenso befinden sich hier die Teile des Mecklenburg-Archivs, die der Werkerklärung Kempowskis dienen. Unter dem Fenster ist eine Vitrinenreihe installiert, in denen Teile aus den Sammlungen Walter Kempowskis präsentiert werden. In den Regalen auf der gegenüberliegenden Seite ist das Herzstück des Archivs untergebracht. Die grün eingebundenen Bände beinhalten jene umfangreiche Materialsammlung, die Walter Kempowski besonders für die Rostocker Teile seiner Romane zusammengetragen hat. Die Lebenserinnerungen der Mutter, des Bruders, der Schwester, von Freunden und Bekannten aber auch von Fremden, die zur gleichen Zeit wie die Kempowskis in Rostock lebten, sind hier vereinigt. Walter Kempowski hat bereits Ende der 50er Jahre mit dem begonnen, was man später "Oral history" nennen wird. So bat er zum Beispiel seine Mutter unter bestimmten Gesichtspunkten aus ihrem Leben zu erzählen. Kopien der Tonbänder dieses Interviews befinden sich ebenfalls im Archiv. Sie sind inzwischen digitalisiert.
Das Prinzip, Zeitzeugen in das eigene Werk zu integrieren, durchzieht die Bücher Kempowskis. Besonders in den drei Materialbänden der "Deutschen Chronik" sind fremde Stimmen vereint. Die höchste Ausprägung erfährt dieses Prinzip jedoch im vielbändigen "Echolot", dem kollektiven Tagebuch des Zweiten Weltkriegs.

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