OZ | Montag, 26. November 2007  |  Kultur

Rostocker ehren Kempowski

Tausend Bürger der Stadt kamen gestern in die ehrwürdige Marienkirche, um des kürzlich verstorbenen Schriftstellers zu gedenken.

Von JAN-PETER SCHRÖDER

Rostock (OZ) Die Glocken von St. Marien läuteten gestern Nachmittag für Walter Kempowski. Kurz vor 14 Uhr riefen sie zur Gedenkfeier für den kürzlich verstorbenen Schriftsteller, und um den Ehrenbürger der Stadt zu ehren, kamen an die tausend Menschen unterm hohen Gewölbe der Rostocker Hauptkirche zusammen. Dazu gehörten neben der Familie des Autors zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Zu der Feierstunde am Totensonntag hatten die Hansestadt, der Albrecht-Knaus-Verlag München und der Verein "Kempowski Archiv Rostock" eingeladen. Kempowski war am 5. Oktober dieses Jahres nach schwerem Krebsleiden im Alter von 78 Jahren in Rotenburg (Niedersachsen) gestorben. Der am 29. April 1929 in Rostock geborene Schriftsteller gehörte zu den meistgelesenen deutschen Autoren. Zu seinen erfolgreichsten Büchern zählen die Romane "Tadellöser & Wolff" und "Uns geht's ja noch gold" sowie die umfangreiche Dokumenten-Collage "Echolot".

"Mit Walter Kempowski hat die Bundesrepublik eine herausragende Persönlichkeit und einen außerordentlichen Künstler verloren. Wir haben ihm viel zu verdanken", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff. Der Regierungschef erinnerte daran, dass Kempowski mit seiner ‚Deutschen Chronik' die Heimat seiner Familie einem Millionenpublikum bekannt gemacht und seiner Geburtsstadt Rostock ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat.

Kempowski, der nach harter Haftzeit in Bautzen 1956 in den Westen gegangen war, habe Rostock als ein "humöses Biotop" vermisst, erzählte der Bielefelder Literaturprofessor Jörg Drews in seiner sehr persönlich gehaltenen Ehrenrede.

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling kündigte an, dass zum 80. Geburtstag Kempowskis eine Straße nach dem Autor benannt werden soll. Dann sollen auch Kempowski-Gedichte gedruckt vorliegen, die gestern in St. Marien von einer Freundin Kempowskis vorgetragen wurden. "Somnia", sein Tagebuch von 1991, wird im nächsten Frühjahr erscheinen, versprach Verleger Klaus Eck.

 
 


 
  Blick von der Orgelempore auf das Schiff der Rostocker Hauptkirche St. Marien: UmWalter Kempowski zu ehren, kamen an die tausend Menschen zur Gedenkfeier
am Totensonntag. Foto: Frank Söllner

 
   
  Angehörige Kempowskis während der Feier: Tochter Renate, Witwe Hildegard und Sohn Karl-Friedrich (v.l.). Foto: ddp